Tabakanbau in der Schweiz Der Tabakanbau in der Schweiz blickt auf eine über 300 jährige Tradition zurück. Die ersten Tabakfelder tauchten in unserem Land nämlich 1680 im Raum Basel auf. Kurze Zeit später auch im Tessin. Leider sagen die Statistiken wenig über die Bedeutung und die geografische Verbreitung des Tabakanbaus in der schweizerischen Landwirtschaft des 18. und 19. Jahrhunderts aus. Anzunehmen ist aber, dass sich die Tabakpflanze auf Grund ihrer besonderen Eigenschaften und der Ansprüche der Pflanzer vor allem in Gebieten mit leichten Böden und günstigen klimatischen Bedingungen durchsetzen konnte. Grosse Bedeutung erlangte der schweizerische Tabakanbau während des Zweiten Weltkrieges. Begünstigt durch die Tatsache, dass die Schweiz als einziges Land Europas den Tabak nicht der Rationierung unterstellte, stieg die in den Kriegsjahren von 780 Hektaren (1939) um fast das Doppelte, nämlich auf 1'450 Hektaren (1946). In der Nachkriegszeit ging die Anbaufläche kontinuierlich zurück, erreichte aber 1960 immer noch 1'100 Hektaren. Heute wird Tabak noch in neun Kantonen, in ca. 324 Landwirtschaftsbetrieben und auf etwa 670 Hektaren angebaut; er gibt rund 650 Personen Arbeit. Zu den Tabakkantonen gehören vor allem das Waadtland und Freiburg, in wesentlich geringerem Ausmass auch Luzern, Zürich, Thurgau, Aargau, Schaffhausen, Bern und Jura. Etwas mehr als 85 % der Tabakanbaufläche befindet sich in der Westschweiz, der Rest verteilt sich aufverschiedene Deutschschweizer Kantone. Die durchschnittliche Anbaufläche pro Betrieb beträgt ungefähr 2 Hektaren. Sie ist vergleichbar mit Frankreich, liegt aber etwas tiefer als in Deutschland. Der Tabakanbau spielt eine wichtige Rolle in gewissen Gebieten, besonders im waadtländischen und im freiburgischen Broyetal, sowie teilweise im Thurtal, in der Zentralschweiz und in der Ajoie, wo die Tabakproduktion Einkommen und Existenz vieler kleiner und mittlerer Familienbetriebe sichert. Die Tabakkultur ist für solche Betriebe besonders geeignet, weil sie die erforderliche Einkommenserhöhung und eine sinnvolle Auslastung der familieneigenen Arbeitskräfte ermöglicht. Die strengsten Arbeitszeiten treten in der Erntezeit auf. Sie müssen häufig mit familienfremden Arbeitskräften bewältigt werden. Investitionsbedarf entsteht vor allem durch die Erstellung von Trocknungsscheunen. Jeder Tabakpflanzer verfügt heute über mindestens einen dieser zweckmässig eingerichteten Tabakschuppen. In den verschiedenen Anbaugebieten werden in erster Linie in der Schweiz gezüchtete Tabaksorten angepflanzt. Es handelt sich hauptsächlich um Burley-Tabake, die in speziellen Trocknungsschuppen (mit ihrer eigenen charakteristischen Form) unter Ausnützung der natürlichen Bedingungen getrocknet werden. Nach Abschluss eines 5 jährigen Versuches wurden im Jahre 1992 erstmals in der Schweiz rund zehn Hektaren Virginia-Tabak angebaut. Heute sind es deren rund 130. Virginia wird unter Warmlufteinwirkung in kleinen Metallschuppen in einem Zeitraum von fünf bis sieben Tagen getrocknet. Die Einkaufsgenossenschaft für den Inlandtabak (SOTA) erwirbt die gesamte Ernte handelsfähiger Tabake die auf Schweizer Boden angebaut werden. Sie verteilt den entrippten Tabak an die Zigaretten-, Zigarren- sowie an die Pfeifentabak-Fabrikanten, welche, gestützt auf das Tabakbesteuerungsgesetz, verpflichtet sind, die ganze Ernte zu übernehmen. Die SOTA betreibt ebenfalls eine Forschungsstelle in Payerne und in Corcelles-près-Payerne. Ihre anspruchsvolle Aufgabe besteht darin, Tabaksorten hervorzubringen, die den qualitativen Ansprüchen der Fabrikanten entsprechen, ohne die Bedürfnisse der Pflanzer zu vernachlässigen.
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